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Tiny & Big: Großes, kleines Indie-Game aus Deutschland

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Irgendwann im Sommer. Dann werden sie wohl fertig sein, mit ihrem ersten, eigenen Spiel. Und vielleicht auch mit ihren Nerven. Dann werden die sechs Jungs der neugegründeten Deutschen Spielschmiede “Black Pants Studio” nach knapp zweieinhalb Jahren Arbeit zum ersten Mal ihr eigenes Spiel veröffentlichen und alle dafür notwendigen Stationen komplett durchlaufen haben. Wie sie dabei abschneiden werden ist ungewiss. Was bereits jetzt schon feststeht: Mit “Tiny & Big” werden sie der deutschen Games-Industrie ein einschneidendes Erlebnis bescheren.

GENASH
… sagt der Stein, als er auf den Boden prallt. Kurz zuvor habe ich ihn mit einem mathematisch-feingliedrigen, chirurgisch-genau angesetzten Laserstrahl in zwei Teile geteilt. Eintrittswinkel gleich Austrittswinkel. Oder so. Mir egal, denn für mich ist nun der Weg frei zu noch vielen anderen großen steinigen Brocken, die nur darauf warten von mir zerschnitten zu werden.

Das geile an dem Indie-Projekt Tiny & Big ist, dass es funktioniert. Einfach so. Ohne große Probleme. Ich setze einen dicken Schnitt an und die Wand vor mir rutscht akkurat an der Schnittstelle herunter. Danach fällt mir auf, dass die Aktion bis auf die reine Zerstörungslust keinerlei Sinn gemacht hat – es bringt mich im gespielten Level keinen Charrière weiter. Dafür macht es Spaß. Und um mehr scheint es in diesem Spiel zum Glück nicht zu gehen. Und fast, als ob es gar nicht gewollt war, bietet sich hierbei ein komplett neuer, frischer Gameplay-Aspekt, der mit Sicherheit noch Schule machen wird.

Erst die Zahlen, dann die Farben
Angefangen hat alle das vor knapp zehn Jahren. Christian Niemand, seines Zeichens Urvater der eigenen “Scape”-Engine, studiert zu diesem Zeitpunkt in Kassel Informatik und versucht sich mit einigen Kommilitonen an den ersten Game-Engines. Laut eigener Aussage gab es bereits zu diesem Zeitpunkt die ersten Ideen zu einem eigenen Spiel, allerdings sei das damals “kläglich gescheitert”. Erst als sich die Informatiker-Fraktion des “Black Pants Game Studio” mit drei kreativen Studenten aus dem Art-Bereich zusammenraufte, konnte die ausgearbeitete Engine voll ausgereizt werden und das erste Games-Projekt vollends durchstarten. Das zaghafte Ziel, dabei eine komplett zerstörbare Umwelt zu generieren, haben sie zumindest schon mal erreicht.

Der von den “Black Pants Game Studio” eingeschlagene Weg wirkt untypisch, schlagen sich doch die meisten jungen Games-Entwickler eher mit bereits vorhandenen Engines und dazugehörigen Bausteinkasten-Modulen herum, anstatt von der Pike auf eine eigene zu kreieren. Nur so haben sie die volle Freiheit, um ihre kreativen Ideen umzusetzen. Nur so “kennen sie jede Tür”, um Gameplay-spezifische Visionen letztendlich auch nach eigenem Ermessen zu realisieren.

Wie die Zahlen hinter der Engine schlussendlich in der fertigen Version des Spiels aussehen, ist hauptsächlich dem Comic-Zeichner und Künstler Sebastian Stamm zu verdanken. Hierbei soll er die volle Freiheit bekommen haben, was das ungeübte Auge zu jederzeit des Spiels merkt und eindrucksvoll hinter die Augenlider geschmiert bekommt. Herausgekommen ist ein stilvoller Mix aus “Cel Shading”-Look und dem eigenen, verschrobenen “Stamm-Stil”, der alleine schon einen Preis verdient hat.

Unterschätzt: Unterhosen
In diesem kleinen Extra-Video erklären euch Christian Niemand und Florian noch mal genauer, was sie mit ihrem ersten Projekt erlebt haben und was die Faszination hinter Unterhosen ist.


Das geht wie ein warmer Laser durch Butter
Ohne groß weitere Worte zu verlieren: “Tiny & Big” hat mich schwer begeistert. Es hat lange gedauert, bis ein Indie-Game mit so frischen Ansätzen auftrumpfen und das wohlige Gefühl von etwas “Neuem” verbreiten kann. Dass es sich hierbei ausnahmsweise nicht um geförderte amerikanische Studenten oder kleine, von großen Konzernen bezahlte, Spieleschmieden handelt, sondern “nur” um sechs Kasseler Studenten, macht die Geschichte um “Tiny & Big” noch mal richtig rund.

Für weniger als eine Doppel-Boxershort-Box soll das Indie-Game Tiny & Big im zweiten Quartal für den PC, Mac und für Linux erhältlich sein. Ich rate wirklich jedem, sich dieses Projekt wenigstens als Demo reinzuziehen. Wer dann auf zwei frische neue Unterhosen verzichten kann, sollte sich die Kosten für diese virtuelle Fassung leisten. Es lohnt sich.

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