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Spider-Man: Amazing oder Amarsch?


Ihr seid noch da? Schön! Ist nicht selbstverständlich, weil jetzt erzählen wir euch noch was über eins dieser berüchtigten Lizenzspiele. Sind ja eigentlich nie so toll. Und schon vom letzten “Spider-Man”-Spiel, “Edge of Time”, waren wir bei unserem Beitrag in Folge 186 eher enttäuscht. Was soll da nun schon groß anders sein? War mit Beenox schließlich derselbe Entwickler dran. Wenn ein Spiel dann noch pünktlich zum Kinostart fertig sein muss, wird’s oft besonders unschön.

Aber “The Amazing Spider-Man” ist ein gutes Spiel. Ziemlich gut sogar. Meckerten wir vor einigen Monaten bei “Edge of Time” noch darüber, dass Spider-Man zu oft in enge Areale gesperrt wurde, eröffnet sich euch hier ein großzügiges digitales New York. Dass ihr euch scheinbar ohne “Anknüpfpunkte” frei durch die Luft schwingen könnt, mag unlogisch sein, bringt aber eben auch viel Spaß.

Beenox hat sich offensichtlich von den mitreißenden Ego-Sequenzen des Films inspirieren lassen und erfolgreich versucht, beim Herumschwingen ähnlich intensive Gefühle von Schwindel und freiem Fall zu erzeugen. Auf optisch beeindruckende Ergebnisse zielt auch die neue Netzsprint-Mechanik ab: Sie erlaubt es euch, leuchtende Zielpunkte anzuvisieren, zu denen sich Spider-Man dann auf dem dynamischsten Weg begibt. Am Anfang bremst das den Spielfluß scheinbar aus, schon bald lässt es sich aber für allerlei – pardon – filmreife Aktionen nutzen.

Zu unserer Überraschung emanzipiert sich das Spiel auch von den Story-Vorgaben des Films und knüpft an dessen Ende an. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass auch andere Gegenspieler eingebaut werden konnten. Echte Charaktere mit wirklichen Hintergrundgeschichten und nachvollziehbaren Motivationen sind die Mischwesen aus Mensch und Tier aber nicht. Wir hätten kaum gedacht, wie blass ein Aggro-Nashorn auf zwei Beinen bleiben kann. Da hat ein “Batman: Arkham City” (Beitrag in Folge 185) dann doch die interessanteren Widersacher zu bieten.

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Andernorts zeigen sich dann aber wieder viele Parallelen zum Fledermaus-Spiel: Das komplette (Nah-)Kampfsystem ist nahezu identisch zu Warners Megahit. Es ist also simpel, hat aber einen ziemlich lässigen Flow. Die Hinweise auf den richtigen Zeitpunkt für Konter hätten aber noch ein wenig deutlicher ausfallen können. Erinnerungen an die Riddler-Rätsel aus “Batman” kommen bei den auf Peter Parkers Job anspielenden Fotografen-Missiönchen auf. Und spätestens während der Stealth-Einsätze, in denen der wenig schussfeste Spidey nach und nach bewaffnete Handlanger ausschalten muss, wird “The Amazing Spider-Man” dann zum beinahe schon dreisten Plagiat – so offensichtlich ist das Vorbild.

Gut geklaut ist aber immer noch besser als schlecht erfunden. Und Beenox hat es durchaus geschafft, dem Ganzen noch einen eigenen Anstrich zu geben: Die Passagen in geschlossenen Gebieten sind zwar (wieder) nicht der Knaller, dafür gibt’s in der offenen Spielwelt einige Bosskämpfe gegen fette Riesenroboter. So fühlt sich “The Amazing Spider-Man” insgesamt wie eine Mischung aus besagtem “Batman” und dem launigen Großstadt-Chaos eines “Prototype 2” (Beitrag in Folge 207) an.

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Der Vorgänger „Edge of Time“ aus dem letzten Herbst wirkt nun (noch mehr) wie ein aus Resten zusammengeschusterter Ableger, der mit möglichst wenig Entwicklungsaufwand die Lücke bis zum Release eines wirklich ambitionierten und unterhaltsamen „Spider-Man“-Spiels schließen sollte. So eins gibt es jetzt.

“The Amazing Spider-Man” ist seit Ende Juni für PS3, Xbox 360, Wii, 3DS und DS erhältlich. Unsere Eindrücke beziehen sich auf die Versionen für PS3 und Xbox 360. Eine PC-Umsetzung folgt im August.

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