G1-ipad-pop_01b
Overlay_android_qual_60

Playstation 4: Das denkt unsere Redaktion

Teaser_playstation_4

In der Nacht wurde die Playstation 4 vorgestellt. Sony lud nach New York, um ihr Konzept des Next-Generation-Gamings vorzustellen. Was es gab: Erste Blicke auf kommende Spiele für die Playstation 4, Infos zu Social- und Stream-Ideen sowie das Controllerdesign. Was es nicht gab: Einen Preis und einen festen Releasetermin. Die komplette Show gibt es im Stream, schaut euch die zwei Stunden an und lest danach was unsere Redaktion über die Vorstellung denkt. In einem PDF stellte Sony alle Fakten zur Konsole zusammen.

Der Artikel ist insgesamt recht lang, deshalb habe immer zwei Meinungen auf eine Seite gepackt.

Head_simon
Die Playstation (oder um sie mit ihrem heutigen Hipster-Namen zu nennen: PSone) war so ziemlich das Beste was mir in meiner Jugend passiert ist. Der Quantensprung von 2D zu 3D war enorm und die Launch-Marken waren allesamt heißer Scheiß – die PSone war so gut (und so schnell überhitzt und kaputt), dass ich mir insgesamt drei Exemplare davon kaufen musste. Doch ich bereue nichts. Bei der PlayStation 2 stand ich mit Trant in Akihabara die ganze Nacht in einer Warteschlange um einer der Ersten zu sein, die Sonys schicke schwarze Standheizung in der Hand halten zu dürfen. Die Spiele waren weniger flashig als damals noch zu Zeiten von “Destruction Derby”, “Ridge Racer” und “Wipeout” – doch ich hatte auch in den folgenden Jahren unendlich viel Spaß mit der PlayStation 2 und würde diese wundervolle Nerd-Zeit nicht missen, selbst wenn ich sie nachträglich in Party-Zeit mit leichtbekleideten Girls umtauschen könnte.

Die PlayStation 3 führte diesen Weg problem- und nahtlos weiter, war für mich aber leider nie mehr als die “Zweitkonsole” neben der Xbox 360 (auf der sich meine gesamte Freundesliste befindet, weshalb man selten in Versuchung kommt ins Sony-Netzwerk zu wechseln), die nur angeschmissen wurde wenn fantastische Exklusiv-Titel wie “Uncharted” oder “Heavy Rain” gespielt wurden. Doch Blut ist dicker als Wasser und mein Herz schlägt selbstverständlich auch weiterhin für die olle Playse, also saß ich gestern um Mitternacht wie so viele andere vor dem Live-Stream und war gespannt, was mich die nächsten Jahre erwarten wird. Ich gebe zu, ein kleiner naiver, nicht totzukriegender Teil von mir hatte auf Virtual Reality oder ein komplettes “Streaming” bzw. “Free 2 play”-Grundkonzept gehofft (Warum? Weil ich es mag, die Welt brennen zu sehen). Doch stattdessen sieht Alles nach einer weiteren Runde “Wer hat den Längsten” zwischen Sony, Microsoft und Nintendo aus – denn für den 1. Platz gibt es nunmal keinen “Share”-Button.

Ich bin gespannt und bereit, vor allem weil es dieses Mal einige Spiele gibt die mich nicht nur technisch sondern auch inhaltlich voll in ihren Bann ziehen:

Watch Dogs
Ich hatte auch mal einen Hund, der hat aber nie mein Smartphone gehackt oder Ampeln auf rot geschaltet. Deswegen habe ich ihn irgendwann einschläfern lassen. Konnte ja nicht wissen das ich nur 20 Jahre warten müsste bis endlich “Watch Dogs” angekündigt wird, ein grafisch beeindruckender und inhaltlich origineller Open-World-Spielplatz in dem man rumlaufen darf bis einem die Augen übergehen, während man in dunklen Seitengassen den High-Tech-Helden für Gerechtigkeit spielt und auf dem Weg dahin herumlaufenden Passanten hinterherstalkt. Da ich auch privat stalke habe ich da spielerisch natürlich einen kleinen Vorteil, deswegen bin ich sehr gespannt ob die PS4-Version, die uns versprochen wurde, auch so aussieht wie die PC-Version, die uns vorgespielt wurde.

Destiny
“Bungie” auf der PlayStation, das wir das noch erleben dürfen! Und “Destiny” sieht sogar ein bißchen wie “Halo” aus, wird aber deutlich mehr zu liefern haben als “nur” einen kleinen gemütlichen galaktischen Konflikt. Open World, Langzeit-Shooter, MMO-Komponenten und eine Story die entfernt an “District 9” und … naja … eben “Halo” erinnert. Eigentlich sollte sich “Bungie” einfach in “Halo” umbenennen, ich denke das wäre aus marketingtechnischen Gründen viel besser. Kaufen werde ich das was sie produzieren sowieso, ob auf der Xbox 720 oder der PS4.

Deep Down
Dragons Dogma, Dark Souls und Monster Hunter zeugen tief unten im Berg wo es so richtig dunkel ist, dass man sich gegenseitig ertasten muss, ein Spiel, das so heiß ist wie der Stahl der euch um die Faust schmilzt sobald euch der doofe Drache wieder mal aufs Schild hustet. Die Grafik ist absolut fantastisch (was auch daran liegt weil nur wenige Ritter, Drachen und Höhlen gleichzeitig ins Bild passen) und was man als Action versprochen bekommt, könnte das finale Ausrufezeichen unter die aktuelle “Ist ‘Dark Souls’ das beste Spiel dieser Paralleldimension und wieso bringt ‘Dark Souls’ eigentlich keine eigene Konsole raus?”-Diskussion setzen.

Head_fabian
Sony hat viel gezeigt und doch wenig. Elementare Fragen wie genauer Starttermin, Preis oder auch nur das Aussehen der PS4 sind offen geblieben. Dafür gab es (zu) viel euphorisches Abfeiern von Features, die mir persönlich herzlich egal sind. Für mich muss nicht alles eine „social experience“ sein. Ich muss nicht immer und überall mit dem Spiel verbunden sein, muss nicht mit dem Smartphone Herausforderungen verschicken, muss nicht jeden Schritt im Spiel in Bild und Ton festhalten und mit der Welt teilen. Genau genommen WILL ich das gar nicht.

In Sonys Welt spielt der Spieler, der auf der Couch sitzen und für sich ganz allein, ganz privat zocken möchte, keine große Rolle mehr. Mir geht es dabei nicht um das Eindringen in meine Privatsphäre und die Angst vor der Datenkrake. Ich nutze soziale Medien gerne und jeden Tag, bin dort mit Tausenden Menschen vernetzt. Aber Videospiele funktionieren für mich eher wie Filme: Ich tauche in eine Weile ab und erlebe ein in sich geschlossenes Werk, das mich dann nach einigen Stunden im Optimalfall mit ein paar schönen Erinnerungen wieder entlässt. Dazu braucht es für mich keine offenen Online-Scheunentore, durch die Entwickler und Community ständig neuen Content zu einem Spiel auf mich loslassen. Dabei kann ich es prinzipiell absolut nachvollziehen, wenn Leute wegen der neuen Share-Optionen und anderer sozialer Features aus dem Häuschen sind. Mich kickt es nur nicht.

Die gezeigten Spiele sahen teilweise richtig gut aus, wirklich umgehauen haben sie mich aber nicht. Bei einem „Killzone: Shadow Fall“ beispielsweise schwingt immer auch der Gedanke mit, hier nur wieder das serviert zu bekommen, an dem wir uns schon so satt gegessen haben. Nur dass es eben noch schöner angerichtet ist. Potenziell wirklich innovative Sachen wie Jonathan Blows „The Witness“ blieben noch sehr abstrakt. Und von den von mir sehr geschätzten Jungs von Quantic Dream hätte ich auch gerne mehr gesehen als starke Schlagwörter und einen faltigen alten Mann.

In aller Kürze möchte ich mich auch David Perrys Steckenpferd Streaming widmen. Sicher ein großes Thema der Zukunft, allerdings machen hier noch technische Infrastrukturen und Sonys bisherige Leistungen in diesem Bereich skeptisch. Wer das bisher bestenfalls nur halbherzig umgesetzte „Remote Play“ mal getestet hat, weiß Bescheid. Und nun soll es PS4-Titel via Streaming auf der Vita geben? Prima. Ich möchte es allerdings erst mal selbst ausprobieren und mich davon überzeugen. Dass auch Spiele der ersten drei PlayStation-Generationen nur via Stream auf die PS4 kommen, war angesichts des radikalen Wechsels bei der Hardware-Architektur recht klar. Das ist natürlich schade, aber nicht kriegsentscheidend. Wichtig werden neue, starke, leuchtende PS4-Titel. Und die sollten nach Möglichkeit keine Multiplattform-Titel wie „Destiny“ oder „Diablo III“ sein.

Ich sag es abschließend so: Es gab starke Momente in der Präsentation, in denen meine Hand schon Richtung Portemonnaie wanderte. Nur um nach dem nächsten redundanten Feature, aufgeblasenen Füllwort oder Musizieren mit dem Move-Controller wieder zurückzuzucken. Mich habt ihr noch nicht ganz abgeholt, Sony.


Bewerte diesen Post

172 Kommentare neuen Kommentar schreiben



Neuen Kommentar schreiben

BBCode ist erlaubt