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LucasArts: Disney schließt Kult-Entwickler

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“LucasArts” ist tot. Das legendäre Entwicklerstudio, das unsere Kindheit mit Spielen wie “Maniac Mansion” oder “Monkey Island” geprägt hat, wurde geschlossen. Mutterkonzern Disney hatte vor einem halben Jahr den berühmten “Star Wars”-Macher “Lucas Film” und die dazu gehörige Spielesparte “LucasArts” (früher “Lucas Film Games”) übernommen. Nahezu alle 200 Mitarbeiter wurden jetzt entlassen.

Die Zukunft der bereits angekündigten Spiele “Star Wars 1313” und “Star Wars First Assault” ist ungewiss. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden andere Studios die Entwicklung übernehmen. Grund dafür ist natürlich die Kohle, die Disney mit der Vergabe von “Star Wars”-Lizenzen einnehmen kann. Keine ungewöhnliche Entscheidung für den Aktien-Konzern Disney, der damit das Risiko von Spieleflops eliminiert und beim Verkauf des “Star Wars”-Namens schnelles Geld verdient.

Auch wenn die Nachricht auf den ersten Blick einer Hiobsbotschaft gleicht, müsst ihr euch nicht gleich aus dem Fenster stürzen. Da Disney natürlich möglichst viel Kohle machen will, könnte das bedeuten, dass in Zukunft auch viele Lizenzen vergeben werden. Das wiederum könnte in noch mehr “Star Wars”-Spielen resultieren. Ob das auch auf “Monkey Island” oder “Maniac Mansion” zutrifft, ist eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Der legendäre Spieleentwickler Ron Gilbert, der damals mit Tim Schäfer bei “Lucas Film Games” seine ersten Schritte im Games Business machte, zeigt sich in seinem Blog betroffen. Disney selbst hat sich zum Thema noch nicht geäußert.

Natürlich haben wir auch in unserer Redaktion nach LucasArts-Erinnerungen gefragt:

Simon:
Alles was seit den 80er-Jahren existiert, hat es verdient vermisst zu werden – und “LucasArts” bzw. “Lucasfilm Games” war einer dieser Entwickler, der irgendwie schon immer für mich da war. Zu Beginn hat mich diese legendäre Firma mit klassischen Adventures angefixt, “Maniac Mansion”, “Monkey Island”, “Zak McKracken”, “Sam & Max”, “Indiana Jones”, “Vollgas”, “X-Wing”, “The Dig”, “Rebel Assault” – und ich werde bis heute nie verstehen weshalb es zwei Dutzend Jedi-Shooter gibt, aber kein einziges echtes Adventure im “Star Wars”-Universum. Stattdessen gab es irgendwann Jedis bis zum Abwinken, von “Unleashed” über “Galaxies” und “1313” durch alle Genres hindurch wurde die Kuh solange gemolken bis keiner mehr wusste was “LucasArts” früher für ein kreativer Haufen war. Doch darüber brauche ich mir jetzt den Kopf nicht mehr zerbrechen, denn “LucasArts” ist nicht mehr. Ein weiterer traditioneller Entwickler der seine Wurzeln ganz tief ins nostalgische Nerd-Bewusstsein gegraben hat wird vom Strahl des Disney’schen Todessterns ausgelöscht. Vielleicht ist das für uns Fans sogar von Vorteil, denn jetzt können Lizenzen an Publisher verkauft werden die sich dann auch darum kümmern. Trotzdem wird “LucasArts” für mich immer untrennbar mit dem geilsten Shit der 90er Jahre verknüpft sein – und ohne diese vielen kreativen Menschen wäre meine Kindheit sicher noch viel trauriger gewesen als sie es ohnehin schon war.

Eddy:
In den 90ern war LucasArts eine der besten Spieleschmieden überhaupt. Neben bekannten Adventures, wie “Monkey Island”, “Day of the Tentacle” oder “Indiana Jones and the Fate of Atlantis”, die allesamt zu Klassikern geworden sind, hat LucasArts auch ALLES, aber wirklich ALLES aus dem “Star Wars”-Franchise rausgeholt. Ich erinnere mich noch gerne an Perlen wie “Jedi Knight” oder das überragende “Tie Fighter”. Leider konnte LucasArts diese Qualität nur bedingt mit ins neue Jahrtausend retten. Klar dank dem “Star Wars”-Franchise, kamen immer wieder interessante Titel raus. Ich denke da zum Beispiel an die “KOTOR”-Reihe, hinter der aber “BioWare” steckte und LucasArts nur noch die “Star Wars”-Lizenz vertickte. In jüngster Zeit wurden dann die Klassiker auch seltener. Klar, “Star Wars: The Force Unleashed” war nicht übel, aber auch alles andere als ein echter Klassiker. Und mit “Star Wars: The Old Republic” besiegelte LucasArts wahrscheinlich sein eigenes Schicksal, weil das Spiel weit hinter den kommerziellen Erwartungen blieb. Für die Mitarbeiter von LucasArts, die sicher schnell einen neuen Job in der Branche finden werden und das interessant aussehende “Star Wars 1313” tut es mir natürlich schon leid. Aber den Shitstorm der gerade mal wieder kursiert, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Dafür hat LucasArts für mich schon zu lange nur noch “Star Wars”-SellOut betrieben und zu wenig geilen Scheiss rausgebracht. Meine Hoffnung ist, dass jetzt die tollen Lizenzen um “Maniac Mansion”, “Monkey Island” und Co. in die Hand von guten Entwicklern kommen, die ähnlich wie “TellTale Games” noch mal alte Zeiten aufblühen lassen. Dann kann ich auch mit der Schließung des Studios gut leben.

Fabian:
Aus die Micky Maus, LucasArts ist tot. Disney hat den Stecker gezogen und sich zum Buhmann gemacht, zum bösen Industrie-Giganten, der auf Traditionen pfeift und nur auf Gewinnmaximierung aus ist. Das klingt erst mal furchtbar traurig. Zumindest die älteren Säcke unter uns Spielern erinnern sich noch gut daran, wie sie mit Indy Lederjacken verkauft, mit Guybrush beleidigt und im X-Wing den Todesstern zerstört haben. Die noch traurigere Wahrheit ist aber: LucasArts ist schon lange tot. In den letzten Jahren war der einst große Name nur noch ein immer mehr verblassendes Gütesiegel auf immer schlechter werdenden „Star Wars“-Spielen. Der nostalgische Fabian ist also betrübt, der Jetztzeit-Fabian zuckt mit den Schultern.

Sebastian:
LucasArts war für mich als Kind das, was für die heutige Jugend vielleicht EA oder Activision ist: Ein Entwickler, bei dem man bedenklos zu jedem Spiel greift. Als riesiger “Star Wars”-Fan schmerzt mich natürlich die Schliessung des Studios sehr und ich erinnere mich gerade an die guten Zeiten, als Rebel Assault mein erstes CD-Spiel war, als X-Wing und Tie Fighter mich in die Sternensaga förmlich eingebunden haben und als ich noch Nachts lachend wach wurde, weil ich mich an irgendeinen “Day of the Tentacle”-Witz erinnert habe. Ja, wie oft habe ich die verdammte “Indiana Jones”-Musik bei Fate of the Atlantis gehört und wie lange habe ich gehofft, doch bald noch ein Battlefront 3 zu bekommen? Disneys Entscheidung ist nun der erste Grund, weshalb ich, als andauernder Optimist, nun George Lucas´ Verkauf seiner Firma verfluche und ich hoffe einfach nur, dass sich herausstellt, dass Disney alle Mitarbeiter unter einem neuen Vertrag nimmt und eine neue Firma gründet, die nichts anderes ist, als LucasArts – bloß mit anderem Namen. Vielleicht DisneyArts?

Nils:
Was ich mit LucasArts verbinde? Natürlich die “Point and Click”-Adventures. Wie vermutlich jeder. Monkey Island, Indiana Jones, Maniac Mansion, Day of the Tentacle, Full Throttle, Sam and Max, Grim Fandango – das ist für mich LucasArts. Zwar haben die auch in jüngerer Zeit einige “Star Wars”-Titel herausgebracht, denen man eine gewisse Relevanz nicht absprechen kann, wie Knight of the old Republic oder Force Unleashed aber die zählen für mich nicht wirklich sondern sind eher der Beweis für das Ende der LucasArts-Ära. Auf 1313 hab ich mich zwar gefreut aber da gab es jetzt auch seit Längerem nichts Neues mehr zu sehen und ich vermute beinahe, viel mehr als dieser eine Levelabschnitt hat sowieso nie existiert. Also aus nostalgischen Gründen eine traurige Nachricht aber für kommende Titel jetzt nicht so dramatisch.

Chris:
Ganz ehrlich? Ich hab echt Wochen, vielleicht sogar Monate mit den ganzen alten Adventures verbracht, aber in den vergangenen Jahren kam halt kein geiler Kram mehr nach. Force Unleashed war nett, aber es gab ja beispielsweise nie ein tolles “Star Wars”-Adventure. Da haben die Jungs von Daedalic ganz klar den Thron von LucasArts geklaut und machen jetzt die besseren Adventures (Deponia, Edna, Harvey etc.) oder vertreiben eben jene Games (Machinarium etc.). Dennoch gebührt den alten Köpfen bei/von LucasArts jeder Respekt für das ‘Erfinden’ eines Genres.

Überblick über einige der wichtigsten Spiele von LucasArts:

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